forum 

   e-mail


Hamas






Die "Christian Patriots"




Rabbin Meir Kahane

Der Prediger Rabbin Kahane




Bhagwan Shree Rajneesh

Bhagwan Shree Rajneesh




Shoko Asahara

Der Prophet der
Aum Shinrykio Sekte



...Dieser religiös-motivierte Terrorismus beruft sich auf andere Legitimations- und Rechtfertigungsmittel als säkular politisch orientierter Terrorismus; mit dem Ergebnis noch unbekümmerteren Blutvergießens...

religiöser terrorismus

und Weise brauchen sie auch gar keine externe Legitimation, was die Komponente der Rahmenbedingungen entfallen lässt und die Terroristen allgemein leicht einsetzbar und somit gefährlicher macht. Daher sind die von ihrer Moral erlaubten Ziele der Gewalt praktisch grenzenlos: alle Personen außerhalb der religiös-terroristischen Gemeinschaft, werden oft als „Hunde“, „Kinder Satans“, „Dreck“ oder „Ungläubige“ bezeichnet: alles was „anders“ ist, wird unter dem allgemeinen Begriff „Feind“ subsummiert. „Wir kämpfen nicht, damit unser Feind uns anerkennt und uns etwas anbietet. Wir kämpfen, um den Feind aus dem Weg zu räumen.“ (Ayatollah Baqer al-Sadr). Dies ist die allgemeine kompromisslose Philosophie dieser Art von Terroristen, die sie fast ausschließlich alle teilen. Dennoch können wir einige Varianten und praktische Anwendungen des Religions -Terrorismus unterscheiden und umreißen:

1. Islamische Gruppen (Schiiten und Sunniten): Sie führen einen totalen Krieg, der auf Ausrottung und schonungslose Vernichtung des Feindes abzielt. „Wir müssen danach streben, unsere Revolution über die ganze Welt hinweg auszubreiten“ (Ayatollah Khomeini, Neujahr 1980) „Die Welt von heute ist so wie andere (Ungläubige) sie geschaffen haben. Uns bleiben zwei Möglichkeiten: entweder sie demütig anzuerkennen, was dem Untergang des Islam gleichkäme, oder sie zu zerstören, auf dass wir die Welt so schaffen können, wie es der Islam fordert“ (Ayatollah Baqer al-Sadr) „Amerika ist der Ursprung der Verderbnis.“ (Sheikh Muhammad Hussein Fadlallah, Hizbollah [der Partei Gottes]).
Zu diesem Zweig gehört auch folgende praktisch handelnde Gruppe:
Die HAMAS („Hingabe“) oder „Islamische Widerstandsbewegung“ (Islamic Resistance Movement) ist eine Terrororganisation, die gegen Israel und alle Juden handelt. „Israel wird so lange existieren, wie der Islam es nicht vernichtet hat, so wie er zuvor andere vernichtet hat.“ Und: „Sechs Millionen Abkömmlinge von Affen (Juden) beherrschen heute alle Staaten der Welt, aber auch ihr Tag wird kommen, Allah! Tötet sie alle, lasst nicht einen einzigen von ihnen übrig.“ (Imam Sheikh Ahmad Ibrahim Yassin, geistlicher Leiter der HAMAS). Diese Gruppe von Terroristen ist für seine Selbstmordattentäter bekannt. Durch solche Taten erwirbt ein „Märtyrer“ das Recht, in den Himmel einzutreten, wo Ströme von Milch und Wein und 72 Jungfrauen zu finden sind. Dies erklärt auch das geheimnisvolle Lächeln (basmat al-Farah: Lächeln der Freude) des Bombenwerfers kurz bevor er sich selbst und seine Opfer in die Luft jagt.

2. Jüdisch: Ähnlich wie der islamische Terrorismus (Legitimierung von Gewalt durch Bezugnahme auf religiöse Vorschriften, das Gefühl der Entfremdung, der Kampf gegen eine breite Kategorie von „Feinden“) verhalten sich die jüdischen Terrorgruppen, die in den 80er Jahren in Israel auftauchen. Der Rabbiner Meir Kahane gilt als Ideengeber für diesen Zweig. In New York geboren, predigte er eine Liturgie des virulenten Hasses gegen die Araber und setzte für sich und sein Volk das Ziel, das mythische Bild der Juden als Opfer umzukehren. Er versuchte, die Araber vollständig als nichtmenschliche Wesen, als „Hunde“ (1998 Los Angeles Universität), darzustellen.

3. Christlich: Im Herzen Amerikas wird der Einsatz von Gewalt in ähnlicher Weise durch theologische Gebote gerechtfertigt, als Mittel zur Überwindung einer verhassten westlichen Regierung und zur Durchsetzung einer radikalen Säuberung und religiösen Erlösung. Verschiedene bewaffnete „Bürgermilizen“ von rechtsradikalen Aktivisten sorgten neben der American-Christian-Patriot-Bewegung für genügend Opfer. Die Milizen (insgesamt ca. 800) sind paramilitärische „survivalistische“ Organisationen (10.000 bis 50.000 Mitglieder), die sich durch Ausbildung in Guerillakriegsführung auf eine Revolution gegen die Regierung vorbereiten. Sie haben sich eine Kombination von revolutionären, rassistischen und antisemitischen Lehren zu eigen gemacht, die sich am besten bei den Christlichen Patrioten ausdruckt. „Waffenkontrolle heißt Volkskontrolle“. Sie vertreten die Meinung, dass die US-Regierung alle Bürger genau kontrolliert und dadurch ihre Freiheit unterdrückt, vor allem durch die Einschränkung des Waffenbesitzes. Sie sind keine Berufsterroristen wie Basken oder Iren, sie betrachten sich selber vielmehr als „freiwillige“ Bürger und Patrioten, die mit Waffengewalt ihre Rechte verteidigen wollen. Drei Themen charakterisieren ihr Denken:
- Feindschaft gegen Juden und Nicht-Weiße (Kinder Satans)
- Durchsetzung religiöser und rassistischer „Reinigung“
- Glauben an eine Verschwörungstheorie, der zufolge die Juden die totale Kontrolle über Medien, Banken und Regierungen haben.

4. Sekten (sogenannter Wahnsinnsterrorismus): Bei den Sekten von allerlei Kulten zeigt sich am besten das Potential an Massentötungen des religiösen Terrorismus. 1984 versuchten Anhänger des Bhagwan Shree Rajneesh, die Macht über eine Stadt in Oregon zu gewinnen; sie vergifteten den örtlichen Stausee und kontaminierten die Salatbars von Restaurants mit Salmonellenbakterien. Auch die Freisetzung von Nervengas 1995 in Tokio zeigt, mit welcher Leichtigkeit diese Sektenterroristen solch tödliche Mittel einsetzen. Tatsächlich stellt die Aum Shinrykio Sekte (Höchste Wahrheit), eine Mischung von Elementen aus Hinduismus, Buddhismus und Judaismus, eine neue Art von terroristischer Bedrohung dar. Der Prophet der Sekte Asahar verkündete die Unvermeidlichkeit einer bevorstehenden Apokalypse und bezeichnete sich als „Christus von heute“, als „Erlöser dieses Jahrhunderts“ und gab den Amerikanern die Schuld an allen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problemen Japans. Asahar rüstete sich mit allen möglichen konventionellen und unkonventionellen Waffen: nach dem Anschlag wurde in seinem Labor eine Menge Nervengas aufgefunden, die 4,2 Millionen Menschen hätte töten können. Vor dem Attentat in der U-Bahn hatten die Anhänger der Sekte schon erfolglos versucht, Botulinus-Toxin durch ein Sprühgerät im Zentrum Tokios auszustreuen. Einen Monat später versuchten sie - ebenfalls vergeblich - das selbe mit Milzbranderregern. Aber die größte Bestrebung von Asahar war, wie von allen religiösen Terroristen, die über große Geldmengen verfügen, die Anfertigung von Nuklearwaffen: dieses Ziel verfehlte er zum Glück!

Nicht selten in der Geschichte der terroristischen Gruppen hat die Konfession deren Mitglieder eine Rolle gespielt: So war es bei jüdischen Terrorgruppen (vor der Unabhängigkeit des Staates Israel) ebenso wie bei der FLN mit ihrer muslimischen Mehrheit, der katholischen IRA sowie der muslimischen PLO. Die wichtigste Rolle jedoch kommt bei all diesen Gruppen der politischen Motivation, den ethno-nationalistischen Bestrebungen zu.
Es gibt jedoch auch Terrorgruppen, bei denen ausschließlich die religiöse Motivation, das „Gebot“, alle anderen möglichen Motive überragt, beispielsweise im Iran oder bei den Selbstmördern der HAMAS, bei den algerischen muslimischen Terroristen, aber auch außerhalb des Nahen Ostens. Die Aum-Shinri-kyo-Sekte in Japan oder die US-amerikanischen Christlichen Patrioten sind ein Beispiel dafür. Dieser religiös-motivierte Terrorismus beruft sich auf andere Legitimations- und Rechtfertigungsmittel als säkular politisch orientierter Terrorismus; mit dem Ergebnis noch unbekümmerteren Blutvergießens. Napoleon sagte zu Recht: „Ich möchte kein Heer, das aus Atheisten besteht!“.
Aber die Verbindung von Religion und Terrorismus ist nichts Neues. Die Etymologie des Wortes „Zelot“ bietet ein Beispiel dafür. Das Wort, das soviel wie „fanatisch begeistert“ bedeutet, kann bis zu seiner Herkunft bei einer Jüdischen Sekte gleichen Namens zurückverfolgt werden, welche zwischen 66 und 73 n. Chr. gegen die Besetzung des heutigen Israels durch das Römische Reich kämpfte. Der Zelot tauchte aus der Anonymität eines überfüllten Marktes auf, zog die sica (einen primitiven Dolch) und durchschnitt damit die Kehle eines römischen Legionärs. Die Zeloten wollten damit psychologische Terrorwirkungen hervorrufen und eine Art Werbung für ihre Taten schaffen. Sie benutzten sogar eine primitive Form des chemischem Krieges, indem sie die Kornspeicher und Brunnen der Römer vergifteten.
Auch das englische Wort „Thug“, das heute einen bösartigen Gewalttäter bezeichnet, ist auf einen Kult des 17. Jahrhunderts, der Indien bis zum 19. Jahrhundert terrorisierte zurückzuführen. Die Thugs begingen Ritualmorde und beriefen sich dabei auf die hinduistische Göttin Kali. An bestimmten Tagen griffen sie unschuldige Reisende an und strangulierten sie als Opfer für ihre Göttin. Sie töteten mehr als 800 Menschen pro Jahr (insgesamt 1.000.000. Menschen in tausend Jahren); eine solche Zahl wurde bis zum 11. September 2001 nie mehr erreicht.
Das Wort „Assassin“ (verräterischer Mörder) stellt einen weiteren Fall dar: die Assassine bildeten einen radikalen Nebenzweig der muslimisch-schiitischen Ismaelitensekte (1090-1272), die christliche Kreuzfahrer zurückdrängen wollten. Wörtlich bedeutet „Assassin“ Haschischesser, womit die rituelle Berauschung vor der Gewalttat bezeichnet wird.
Bis zum 19. Jahrhundert lieferte die Religion die einzige Rechtfertigung für Terrorismus, dann wurde diese durch den ethno-nationalistischen ideologischen Terrorismus ersetzt. Die ersten modernen Religionsterroristen tauchen 1980 auf, als Auswirkung der Iranischen Revolution.
Keine der großen Weltreligionen kann von sich behaupten, gegen die gefährliche Mischung von Glauben, Fanatismus und Gewalttätigkeit immun zu sein. Auch deswegen haben sich in den letzten Jahren die religionsterroristischen Gruppen exponentiell vermehrt. Gleichzeitig hat die Anzahl der Ethno-Terroristen abgenommen, nicht zuletzt auch dank dem Ende des Kalten Kriegs, das die Hindernisse für friedliche Integrationsprozesse abgeschafft hat.
Die herausragende Bedeutung der Religion als Triebkraft des Terrorismus der 90er Jahre, als nach dem Sturz des Marxismus ein allgemeines Religionsrevival stattfand, hat die Dimensionen des Terrorismus und die Anzahl seiner Opfer dramatisch verändert. Einige Beispiele:

– März 1995 Nervengasangriff der japanischen religiösen Apokalypse-Sekte Aum in Tokio: 11 Tote und 3796 Verletzte.
– April 1995 Sprengstoffattentat der Christlichen Patrioten auf das Gebäude der US-Bundesbehörde in Oklahoma City: 168 Tote.
– Februar 1993 Sprengstoffattentat islamischer Radikaler auf das World Trade Center: 6 Tote und 1000 Verletze.
– November 1995 Ermordung des israelischen Premierministers Yitzhak Rabin durch einen jüdischen religiösen Extremisten.
– Juni 1996 Bombenanschläge durch religiöse Extremisten auf eine Basis der US Air Force in Saudi-Arabien: 19 Tote.
– Februar-März 1996 Bombenattentate durch Selbstmörder der HAMAS in Israel: 60 Tote.
– April 1996 Maschinengewehr- und Granatenanschlag islamischer Extremisten auf Touristen: 18 Tote
– November 1997 Massaker an Touristen durch die islamische Gruppe Gamat al-Islamiya in Luxor (Ägypten): 89 Tote
– seit 1992 Blutvergießen durch islamische Extremisten in Algerien: bisher 75.0000 Tote.

Es ist auffallend, wie viel mehr Opfer, unschuldige unbeteiligte Opfer, diese Form des Terrorismus fordert als der weltlich orientierte Terrorismus, der seine Ziele sorgfältig aussucht. Beiden liegt ein unterschiedliches Wertsystem zugrunde und eine unterschiedliche Art, Gewalt zu begreifen: „Kein Tropfen überflüssigen Blutes“ dürfe vergossen werden, erklärten noch die Vertreter der Antizaristischen Bewegung 1878. Gewalt sei das letzte Mittel, zu dem man „gezwungenermaßen“ greife, daran haben alle weltlichen ideologischen Terroristen geglaubt und somit „unnötiges“ Töten als „unmoralisch“ angesehen. Die religiösen Terroristen hingegen sehen in der Gewalt eine Art sakramentalen Akt, eine von Gott gebotene Pflicht. Der Terrorismus erhält so eine transzendentale Dimension, die die Terroristen zu „Außenseitern“ macht, und wird durch heilige Schriften und Theologie unterstützt und gerechtfertigt. Die „Auftraggeber“ der weltlichen Terroristen sind limitierte konkrete Subjekte, z.B. unterdrückte Völker, Länder, die Autonomie gewinnen wollen oder Befreiungsaktionen. Die Auftraggeber der religiösen Terroristen sind abstrakte, sich auf transzendente Werte berufende Entitäten: sie sind Aktivisten, die den totalen Krieg für sich selbst führen, in Namen einer bestimmten Zugehörigkeit, die sich gegen das Fremde richtet; auf diese Art

   
Werkzeuge